Comics

Bilder und vor allem Bildsequenzen sind ideal für die Beschreibung von Zuständen und Handlungsfolgen. Dabei arbeiten sie auch mit bildlichen Meta-Codes und Metaphern. Die Direktheit des Bilderlesens unterstützt deren emotionalisierende Wirkung im Erzählzusammenhang. Comics werden in der Regel von ihren Bildern dominiert, Ausnahmen sind jedoch möglich. Die Bilder selbst, ggf. Geräuschdarstellungen im Bild, Geräusche, Denk- und Sprechakte in Blasen und ggf. Kommentare durch einen Erzähler neben den Abbildungen sind auf den unterschiedlichen Ebenen angeordnet, aus deren Zusammenwirken Comic entsteht. Die Erzählebenen von Comics hingegen sind nicht mit diesen Ebenen zu verwechseln. Die Funktionsweisen und erzählerischen Möglichkeiten von Comics liegen im Zusammenspiel der Bild- und Textebenen. Auf dieses Zusammenwirken konzentriert sich meine Auseinandersetzung mit Comics zur Zeit.
 
Neben dem eigentlichen Inhalt, der Fabel, vermittelt jeder Comic in seinen einzelnen Segmenten gezielt Stimmungen. Die Wahl von Perspektiven, Bildausschnitten, der Farbgebung, des grafischen Stils, als auch der Typografie geschieht aufgrund ästhetischer Absichten. Gedanken, Zustände, Handlungen sollen mit Hilfe von Bildern und Texten so dargestellt sein, daß die Inhalte stimmungsvoll aufgenommen werden.
 
Comic funktioniert darüber, dass die Logik der bildlichen Erzählung in bestimmten Bezügen der Textebene fixiert werden kann, wenn die aus den Bildern allein nicht erkennbar ist. Im Gegenzug fehlen im Text in der Regel Details, die die Bilder bieten können.

Sach-Comics

Die Unterscheidung von Sach- und anderen Comics läßt sich vielleicht am einfachsten so ausdrücken: Comics sind primär narrativ angelegt und dienen nicht als Begleitung zu einem technischen Artefakt oder als Handlungsanweisung, wie dies eben Sach-Comics tun.
 
Ein Sonderfall im Grenzbereich zwischen Sach-Comic und erzählerischem Comic sind fiktionale Gebrauchsanleitungen, die narrativ und mit einer dramaturgisch bestimmten Erzählabsicht Handlung in sequentiellen Bildern erzählen und dabei Stilelemente des Sach-Comics verwenden. Sie ziehen ihren Witz aber aus der Anlehnung an der Technikdokumantation und nicht aus ihrer Comicalität.

Comic-Analyse

Das Besondere an der von Jakob F. Dittmar vorgelegten "Comic-Analyse" ist, dass sie eine Systematik zur Analyse von allen Arten von Comics und anderen Bildergeschichten anbietet, sowohl traditionelle europäische Comics wie auch Manga - aber auch Montage- und Gebrauchsanleitungen. Der Autor ist mit dem vorgelegten Werk zum Thema Comic-Analyse in der Fakultät I der Technischen Universität Berlin habilitiert worden.
 
Alle Bildergeschichten arbeiten im Prinzip mit demselben Fundus im bildlichen Inventar, unerheblich ob sie komplex oder simpel, von westlicher oder östlicher Herkunft, von klassisch klarer Linie oder von hoher grafischer Hybridität sind. Das Buch bietet eine Systematisierung des Blicks auf den Comic und der Auseinandersetzung mit dieser Erzählform. Der Autor isoliert, beschreibt und analysiert die einzelnen Elemente, aus denen Comics zusammen gesetzt sind, um dann ihr Zusammenwirken mit den anderen Komponenten untersuchen zu können. Auf diese Weise wird die zu grunde liegende Funktionsweise aller Bildergeschichten deutlich, zugleich aber auch die Varianz, die individuelle Bildergeschichten zu dieser Funktionsweise zeigen.
 
Jakob F. Dittmar: Comic-Analyse.
Konstanz: UVK 2008, 210 Seiten, broschiert.
ISBN 978-3-86764-123-4
2., überarbeitete Auflage
Konstanz: UVK 2011, 220 Seiten, broschiert.
ISBN 978-3-86764-301-6
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Literaturverweise:
Jakob F. Dittmar (2008/2011): Comic-Analyse.
Konstanz: UVK.
 
(2011): Forschungsartikel "Comic"
in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik (HWRh).
Tübingen: Max Niemeyer; 169-185.
 
(2011): "Grenzüberschreitungen: Technikdokumentation und drei-dimensionale Bilder in fiktionalen Comics"
in: Thomas Becker (Hg.): Comic: Intermedialität und Legitimität eines popkulturellen Mediums. Bochum: Bachmann Verlag; 147-158.
 
(2010): "Jaki bodzie komiks cyfrewy?" ("Digital Comics" in Polish, translated by Michal Blazejczyk)
in: Zeszyty Komiksowe Nr. 10, pazdziernik.
 
(2012) "Digital Comics" in: Scandinavian Journal of Comic Art (SJoCA), Winter 2012; 82–91.
 
(2010): "Comics and History: Myth-making versus Historisation" (auf Hebräisch, Übersetzung: Ofer Ashkenazi)
in: Slil: On-Line Journal for History, Film and Television Winter-Issue 2010.
 
(2011): "Comic und Geschichtsbewußtsein - Mythisierung im Gegensatz zur Historisierung"
in: Klaus Farin, Ralf Palandt (Hrsg.): Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics. Berlin: Archiv der Jugendkulturen; 419-427.
 
(2013) "Comics and History: Myth-making in Nazi-references" in: International Journal of Comic Art, Vol. 15:1, Spring 2013; 270–286.
 
(2013) "Die Vermittlung von Zusammenhängen und Handlungsfolgen mit Hilfe beweglicher Elemente" (in German) in Urs Hangartner, Felix Keller und Dorothea Oechslin (Hrsg): Wissen durch Bilder. Sachcomics als Medien von Bildung und Information. Bielefeld: Transcript; 311-326.
 
(2014) "Comics" (in German) in Jens Schröter (Hg.): Handbuch Medienwissenschaft. Stuttgart: J.B.Metzler; 258-261.

(2014) "Comics for the Blind and for the Seeing" in: International Journal of Comic Art, Vol. 16:1, Spring 2014; 477-86.

(2014) "Spirou – över 70 år av figurdesign" (in Swedish) in bild & bubbla nr. 201/2014; 98-101.

(2015) "Experiments in Digital Comics: Somewhere between comics and multimedia storytelling" in: Ian Hague (ed.): Comics Forum. March 13, 2015.

"Sequential Images, the Page, and Narrative Structures" in: International Journal of Comic Art, Vol. 17:2, Autumn 2015; 561-571.

(2015) "Experiments in Comics Storytelling" in: Studies in Comics 6.1, 2015: Proceedings of the fifth annual International Graphic Novel and Comics Conference; 157-165.

"Abstraction and non-sequitur." In: Aarnoud Rommens, Pablo Turnes, Erwin Dejasse, Björn-Olav Dozo (Eds.): Abstraction and Comics. (forthcoming)